Afrika verstehen und unterstützen

Created by Afina Khadzhynova |

Was sind Reisen und wieso sind sie für uns gut? Worum geht es uns dabei und was machen sie mit unserem Leben? Diese Fragen gewinnen an Bedeutung, denn Reisen sind eine neue Religion. Reisen sind therapeutisch. Sie versetzen uns in den Reflektionsmodus und entfalten unser wahres Ich, weit weg von Zuhause und von den uns bekannten Orten. Sie erweitern unseren Horizont und durch Vergleiche fordern sie uns auf, die eigenen Lebensbedingungen zu schätzen. Während der Reisen entstehen neue Ideen und kehren uns zu den wichtigsten Seiten des Lebens. In diesem Sinne wollen wir euch Luba Maier vorstellen, eine gebürtige Ukrainerin, die aus einer Reise eine große Lebensaufgabe gemacht und ihr Leben mit Afrika verbunden hat.

Liebe Luba, kennst du noch deinen ersten Afrika-Besuch? Wie war es damals?

2004. Unvergesslich. Damals noch mit meinem Mann haben wir einen Urlaub in Kenia verbracht: Indisches Ozean, schöne Strände. Im Hotel kam gleich zum Anfang die Warnung, aufgrund vielerlei Gefahren das Gelände nicht zu verlassen. Aber nach paar Tagen packte mich die Neugier: Wie sieht es da draussen aus..? Also haben wir doch die Regel gebrochen und gingen raus, das wahre Kenia zu sehen. Auf der Strasse haben wir überraschend schnell Kontakt mit einem Einheimischen geknüpft und konnten mit ihm die Gegend erkunden ― die kleinen Dörfer, leider voller Armut und Bitterkeit. Die Menschen waren trotz des herrschenden Elends sehr freundlich und lächelten uns an, die Kinder sprangen um den Wagen herum. Während der Erkundungsfahrt sind wir an einer Schule vorbeigefahren. Wieder Neugier ― ich wollte reingucken. Da traf ich auf die auf dem Boden sitzenden Kinder. Keine Möbel, keine Toiletten, kein Wasser. Wir fuhren weiter… Und hielten wieder an: Diesmal bei einem Kindergarten mit ca. 25 Waisenkindern, die nicht nur am verhungern waren, sondern auch am verdursten…

War das der entscheidende Moment?

Ja. Genau. Zurück im Hotel habe ich sehr viel mit meinem Mann geredet und überlegt, wie wir helfen können. Die Kinder brauchten Essen und Wasser, und zwar dauerhaft. Der nächste Trinkbrunnen lag mehrere Kilometer entfernt. Zurück in Deutschland haben wir einen Verein gegründet ― „Integramus“, und haben angefangen, Geldund Sachspenden zu sammeln um diese in Afrika für den guten Zweck auszugeben.

Was waren eure ersten Projekte in Afrika?

Brunnenbau. Den ersten haben wir eben für den genannten Kindergarten gebaut. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sich das Leben verändern kann, wenn Wasser vorhanden ist! Es blüht auf! Ja, Wasser war der Anfang aller Projekte. Danach folgten Kindergarten, Schulen, Weihnachts-Sach-Aktionen…

Und welcher Projekt war ganz besonders?

Die Anschaffung einer Kuh um den Kindern Milch zu bringen. Die Milchpreise sind extrem hoch in Kenia. Aber eine Kuh! Das würde doch das Problem lösen. In meinem Buch habe ich dieser Geschichte ein ganzes Kapitel gewidmet — „Fressen Kühe Marmelade?“ Aus einer Kuh-Idee wurde dann doch ein ganzes Projekt in Togo — „Ernähre dich selbst“ — wir mussten den jungen Leuten beibringen mit Kühen umzugehen, Gemüse anzubauen und für sich selbst zu sorgen.

Sicherlich gibt es viele kulturelle Unterschiede, die Du ständig erlebst. Könntest Du uns die Markantesten erwähnen?

Bekannterweise erzählt uns die Sprache und die benutzten Worte viel über eine Nation. Mit dem Sprachführer habe ich wie immer bei Reisen die Hauptworte gelernt: Hallo, Tschüss, Danke, Bitte… Und dann kam ich auf „Pole pole“. Diese Redewendung passt am besten zur kenianischen Mentalität. „Langsam“ in allen Dimensionen. Stress, Hektik und Unruhe helfen nicht. Die Geschwindigkeit und Leistung verlieren an Bedeutung in einem Land voller Armut, Hungersnot und Wassermangel. Und natürlich „Hakuna matata“: Es ist alles okay, wir sind am Leben, und das ist das Wichtigste. Egal um was geschrieben oder gesprochen wird, alles fängt mit „Hakuna matata“ an. Das Leben schlägt ihren Weg ein. Das Dach ist eingebrochen, das Regenwasser läuft ein, aber alles ist okay. Die Menschen, welche ich auf meinen zahlreichen Afrika-Besuchen traf, sind sehr lebensfreudig. Ich fühle mich dort geborgen und am richtigen Ort angekommen. An dem Ort voller unglaublicher Farben und gewaltiger Natur.

Was soll man auf einer solchen Reise beachten, Luba?

Es gibt gewisse Regeln zu beachten. Man darf die Situation nicht unterschätzen und z. B. nicht alleine nachts durch die Straßen laufen. Es gibt sehr wohl Diebe und Überfälle sind auch möglich. Immer mit Vorkehrungen. Dann natürlich die Hygieneregeln: Händewaschen und Desinfizieren ist ein absoluter Muss! Sonst ist die Wahrscheinlichkeit, irgendwelche Krankheit einzufangen, sehr hoch.

Hast Du eine Botschaft an unsere Leser:innen?

Seid menschlich, schaut nicht weg, wenn ihr Notsituationen seht. Jede auch kleine Tat ist wichtig und macht die Welt besser. Schätzt was ihr habt, und teilt mit den Bedürftigen. Nicht jeder kann in die armen Länder reisen und dort Schulen bauen. Aber jeder kann helfen. Durch diverse Arten von Sach- und Geldspenden, Informationsverbreitung, einfache Anerkennung. Lasst uns einfach menschlich sein und nicht wegschauen!


Mehr Information über den Verein und die Projekte in Kenia, Togo und der Ukraine könnt ihr auf der Webseite integramus.de.
Und das Buch von Luba Maier „Mein Orangensohn“ erzählt noch mehr Afrika-Geschichten.

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