As far as possible: die Geschichte eines Aussteigers

Created by Anja Bothe |

Gegen den Strom schwimmen, am besten so weit weg von der Zivilisation wie möglich. „Back to nature“ ist bei den Anfang 30-Jährigen ja ein weit verbreiteter Trend. In den letzten Jahren haben sich einige Filmemacher:innen für das Aussteigerthema interessiert. Aber was macht Ganna Iaroshevych’s Debütfilm „As far as possible“ so besonders?

Es ist der Versuch, die Geschichte einer Flucht vor Zivilisation und Globalisierung gerecht zu erzählen und offen über Herausforderungen und Hürden zu sprechen.

Der selbstbewusste Protagonist Michel weiß genau, was er nicht will: ein Leben in Deutschland. Er übernimmt in den Tiefen der ukrainischen Karpaten eine Buffalofarm. In der Ukraine ist Michel schon jetzt ein Promi. Keiner versteht so richtig, warum er das reiche Deutschland verlassen möchte, aber alle sind froh ihn als Freund und Nachbarn zu haben.

Den alten Job im Familienunternehmen würde er am Liebsten aufgeben. Das Einzige, was ihn noch hält, ist die Beziehung zu Vera und ihren Kindern. „Einen Monat in Deutschland und einen Monat in der Ukraine“, so könnte sich Michel einen Kompromiss auf Zeit vorstellen. Die Liebesbeziehung ist der Erzählstrang des Films. Konflikte und Entscheidungen, die mit der Auswanderung einhergehen, werden überwiegend in den Aufnahmen mit Vera behandelt. 

Die Dokumentation springt zwischen Gegensätzen. Die intime Handkamera vermittelt einem das Gefühl hautnah dabei zu sein, wenn die Buffalos durch die matschigen Felder der Karpaten stapfen. Auch die eingängigen Naturgeräusche ermöglichen das Eintauchen in die ukrainische Wildnis. Im Gegensatz dazu zeigen die hektischen Stadtaufnahmen und die Patchworkfamilie einen ganz anderen Alltag.

„As far as possible“ ist ein Film über die Suche nach dem Glück, dem eigenen Idealismus, Liebe, Beziehungen, gesellschaftliche Verpflichtungen und Erwartungen. Er stellt die Frage, ob es möglich ist, Träume entgegen allen Meinungen und Konventionen zu verwirklichen. Vielleicht wirkt das im ersten Moment naiv und idealistisch. Aber ist nicht genau dieses Festhalten an der eigenen Intuition der beste Kompass auf der Suche nach dem Glück?

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