Die Kunst des Papierschneidens

Created by Вероніка Бардовських |

Daria Alyoshkina ist ein Phänomen der ukrainischen Kunst. Ihr Element sind riesige Papierschnittwerke, die moderner Innenausstattung ein volkstümliches Flair verleihen. Noch vor zehn Jahren war Durchbrucharbeit vom Aussterben bedroht. Und aktuell, dank dieser Meisterin ist der ukrainische Papierschnitt auch außerhalb des Landes bekannt.

 

Die Kunst des Papierschneidens kam im 19. Jahrhundert aus China in die Ukraine. Sie wurde unter den Bauern aufgrund der billigen Materialien und der Geschwindigkeit der Herstellung schnell beliebt. Die fertigen Stücke zeigten die Geschichten und die Mythen aus der Gegend, in welcher sie gemacht wurden. Sie ersetzten Tapeten, Teppiche und sogar Vorhänge. Die Ukrainer glaubten, dass solche Kunstobjekte vor Unglück schützen konnten. Ende des 20. Jahrhunderts haben die aus haltbaren Materialien industriell hergestellten Produkte ihr durchbruch erreicht. Allerdings gelang es der Künstlerin Daria Alyoshkina, dank ihrer harten Arbeit die verlorene Kunst des Papierschneidens wiederzubeleben. 

Wie jede Geschichte hatte auch diese einen Anfang: Darias Liebe zur Kunst wurde von ihren Bildhauer-Eltern geweckt. Dank ihrer Wegweisung erhielt die junge Frau erst eine Kunst- und dann Bildhauer-Ausbildung. Darias Eltern gaben ihrer Tochter ihr ganzes Wissen über das Papierschneiden weiter, das sie einst von den Volksmeistern aus Podolien gelernt hatten. Das erklärt die Einzigartigkeit der Formen und Muster von Darias Kunstwerken. 

“Ich hatte vor, eine Karriere als Bildhauerin zu machen. Nach der Geburt der Kinder geriet es allerdings in Vergessenheit. Der Wunsch nach kreativer Selbstverwirklichung hat mich dagegen nie verlassenen. Und als ich mit den Kindern angefangen hatte, aus Papier zu schneiden, kehrte ich zu dieser Kunst zurück.”

Die Künstlerin experimentierte viel mit ihrem eigenen Stil. Daria wurde letztendlich allmählich klar, dass genau die außerordentlich langen, durchgestanzten Kunstobjekte mit authentischen Mustern erfolgreich und außergewöhnlich waren. 

Für ihre Arbeit benutzt Daria unterschiedliche Werkzeuge, darunter Bretten,  Skalpell oder Schere, Bleistifte, Radiergummis und natürlich Papier. Zuerst versucht Daria eine kleine Skizze im passenden Maßstab zu fertigen, und überträgt sie erst nach erfolgreichem skizzieren auf ein großformatiges Papier. Als nächstes faltet sie das Papier in zwei Hälften und zeichnet sehr detailliert das zu schneidende Bild. Für eine Leinwand in der Größe 110 x 350 cm braucht sie in der Regel 3 bis 5 Tage. 

Bis jetzt hat die Künstlerin mehr als 500 große und tausend kleine Papierstickereien erschaffen. Die Gestalten sind meistens Frauen: fröhliche, verträumte, verlegene, eingeflochtene in Pflanzen, umschlungene in Baumästen, eingebettete in die Ornamenten. 

“Ich postete meine Werke in den sozialen Netzwerken, und eines Tages erweckten sie das Interesse: Die Galerien, Botschaften und Gemeinden fingen an, mich zu den Ausstellungen einzuladen. Meine Werke bereisten mit mir und ohne mich viele Länder: Frankreich, Polen, Litauen, Dänemark, Belarus und Südkorea, Schweiz, Nordamerika, Italien, Belgien.”

2015 erhielt die Künstlerin ihre erste Einladung zu einer Ausstellung in Deutschland (Freiburg). Als Ausstellungsfläche wurden sechs Fenster in Größe von 120 x 210 cm vorgesehen.

“Ich habe riesige Papierschnittwerke in der Größe der entsprechenden Fenster hergestellt. Sogar ich war schockiert über die Wirkung der Belichtung, welche durch Ornamente in den Raum eindringte. Genau nach dieser Ausstellung ging es richtig los: Ich wurde zu weiteren Orten eingeladen”, - erzählt Daria. 

Die Werke der Künstlerin finden ihren Platz an zahlreichen Orten in der Ukraine: In den Bibliotheken, großen Geschäften, Theatern. Aktuell, zum vierten Mal in Folge, wurde die Regionalbibliothek für Jugendliche in Lemberg mit Papierschneidereien geschmückt. Papiertafeln für Bühnendekorationen schmückten auch mal das Akademisches Opern-und Ballett-Theater in  Lemberg. 

Nicht nur die Kunstszene zeigt das Interesse an Daria’s Arbeit: Neben Kooperationen mit solchen weltweit bekannten Brands wie Cartier oder Oberig, kooperierte die Ukrainerin mit der französischen Designerin Isabelle Daeron, die weltweit Schaufenster dekoriert.

Seit 2017 arbeit Daria mit der ukrainischen Brand MAЇNO zusammen, dank welcher sie einen Stand der ukrainischen Designer "Maison et object" in Paris entwerfen durfte. Zweimal dekorierte sie auch den Stand des Buchsalons “Livre Paris”.

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