Ganna Gryniva: „Wenn ich auf Ukrainisch singe, glaube ich mir selbst mehr“

Created by Maria Szolomycka |

Sie sammelt Geräusche von überall: von allem, was dem Klang ihrer Seele nahe kommt. Ganna sammelt sie, um sie in einer neuen Melodie zusammenzustellen. Ihre Stimme gibt den Klängen heilende Kraft, schimmert in allen Klangfarben: flüstert, liebt, weint, erreicht Höhen und Tiefen...

Die Lieder von Ganna Gryniva, einer Sängerin und Komponistin aus Berlin, der Leiterin der Ethno-Jazz-Gruppe „Ganna“ sowie der Moderatorin des deutsch-ukrainischen Radios Trembeats.FM, haben einen ungewöhnlichen Stil: eine Kombination aus ukrainischer Folklore, Jazz, klassischer und experimenteller Musik.

Ganna beschäftigte sich schon immer mit Musik: Sie sang in Chören, hatte Soloprojekte, lernte sogar Klavier spielen, obwohl sie nicht glaubte, dass sie eine besondere Begabung hat. Sie schrieb ihre erste Melodie im Alter von 9 Jahren. „Meine Mutter ist Pianistin und ich habe sehr früh angefangen, Klavier zu spielen, aber ich wollte nie nach Noten spielen, sondern etwas Eigenes schaffen. Als ich anfing Jazz zu singen, habe ich schnell verstanden, dass es nicht das ist, was ich tun möchte, denn es existiert bereits, und Musiker praktizieren dies seit vielen Jahren. Obwohl die Tradition der Jazzmusik für mich eine Herzensangelegenheit ist, wollte ich immer unbedingt „mein eigenes Ding machen”, so die Künstlerin. „Ihr Ding” fand Ganna in der ukrainischen Folklore. Das ist kein Zufall, denn sie wurde in der Ukraine in einem kleinen Dorf in der Nähe von Kyjiw geboren, und erst als sie 13 Jahre alt war, wanderte ihre Familie nach Deutschland aus. 

Ganna trug selbst viele ukrainische Volkslieder zusammen, bereiste verschiedene Regionen der Ukraine und lernte dort Menschen kennen, die die Folklore am Leben erhalten: „Ich wollte unbedingt mit Menschen sprechen, die Volkslieder singen, ihren Geist und Emotionen verstehen sowie die Bedeutung und die Botschaft, ihre Vision von Folklore begreifen... Diese Erfahrungen waren für mich noch viel wichtiger, als die eigentliche Aufnahme der Lieder selbst.“

Zurzeit befinden sich im Repertoire von Ganna Gryniva größtenteils ukrainische Melodien in ihren eigenen Arrangements und Interpretationen. Im Juli dieses Jahres veröffentlichte sie zusammen mit ihrem Quintett „Ganna” ihr zweites Album namens „Dykyi Lys”, das fast ausschließlich auf ukrainischer Folklore basiert. Anna sagt, dass das nächste Album, an dem sie jetzt arbeitet, noch folkloristischer sein wird: „Wenn ich auf Ukrainisch singe, glaube ich mir selbst mehr, ich verstehe mich selbst mehr. Die Menschen spüren das. Wenn du versuchst, etwas zu sein, was du nicht bist, fällt es auf.”

In Gannas Leben gibt es viele Projekte und viele Pläne. Sie tritt regelmäßig mit der Band „Ganna” auf, veranstaltet Solo-Konzerte, musiziert im Duett „Yoga”, und außerdem bereitet Anna an der Berliner Oper die Kinderoper „Laut” vor, bei der sie für den musikalischen Teil verantwortlich ist. Sie wird auch an Konzerten zur Unterstützung der Krimkultur teilnehmen, wo sie auf Tatarisch singen wird, und auch beim ukrainischen Jazzfestival in Saporischschja auftreten.

Ganna sagt, dass sie sehr glücklich wäre, wenn sie die ganze Zeit Musik schreiben könnte. „Alles hängt sehr stark von der Stimmung und der Offenheit der Klänge ab. Manchmal, wenn ich mich stark inspiriert fühle, setze ich mich einfach hin und versuche zu spielen, was ich in meinem Kopf höre. Es scheint mir, dass ich einfach die Pflicht habe, diese Dinge zu vermitteln, die so wichtig sind und die Umwelt widerspiegeln.“

Aus dem Ukrainischen von Anna Gutsaliuk

Back