Ikea-DIY

Created by Анна Травкіна |

Das stolze Gefühl, die eigenen vier Wände mit den eigenen zwei Händen einzurichten!

Quarantäne und der Hashtag „#Wir bleiben zu Hause“ bedeuteten für mich in der ersten Linie eine Frage: Wie schaffe ich das jetzt? Ich bin gerade in eine neue Wohnung eingezogen und habe mir ein paar neue Möbelstücke bestellt, unter anderem ein Bett. Ich habe mich auf die Besuche meiner Freunde gefreut, die mir versichert haben: „Zusammen kriegen wir das hin!“ Inzwischen war aber klar: In der nächsten Zeit gibt es kein „zusammen“.

Ich habe mein zukünftiges Bett ausgepackt und mir die Anleitung angeschaut. Zwei Bilder waren gegenübergestellt: ein Bild von einem glücklichen Menschlein, das die Montage offenbar ohne Probleme hinkriegt und daneben ein extrem trauriges Menschlein, bei dem die Sachen kaputt gehen. Für mich eine klare Warnung: es konnte in Glück oder Trauer enden.

Mein Bett bestand aus zwei Lattenrosten, einem Bettgestell mit Kopf- und Fußteil und einer Matratze. Zu meiner eigenen Verwunderung, war die Anleitung recht einfach zu verstehen. Für den Zusammenbau musste ich zwei Fähigkeiten beherrschen. Die erste war es, gleich gut mit der rechten und mit der linken Hand arbeiten zu können. Das kann ich sehr gut, da ich meine Fingernägel immer mit beiden Händen lackiere. Die zweite Fähigkeit war es sehr viel Fantasie zu generieren, um die Dinge bei der Montage des Bettes alleine hinzubekommen, die laut Anleitung durch zwei Männer erledigt werden sollten.

Es überkam mich ein Gefühl tiefster Befriedigung die Einzelteile selbst und genau passend ineinander zu montieren: die zwei Lattenroste auf das Bettgestell, darauf die Matratze. Ich überzog das Bett mit neuer Bettwäsche und verschickte das Foto stolz über What’sApp.

Meine Mutter war schockiert. Sie hat mich sofort angerufen und dafür gelobt, dass ich nicht nur die Anleitung verstanden habe, sondern auch, dass ich mir die Montage zugetraut und selbst durchgezogen habe. Nach diesem Telefonat war ich nicht nur unglaublich stolz auf mich, sondern auch ein bisschen verwirrt. Meine Mutter hat mir noch nie so viel Bewunderung für andere Erfolge entgegengebracht, nicht einmal für mein Studium in Deutschland, das ich mit Auszeichnung absolviert habe.

In den Vorstellungen vieler (sehr häufig intelligenten) Frauen, die ein bisschen östlicher leben, ist die Rollenverteilung der Geschlechter ein präsenter Teil des Alltags. Es gehört sich offenbar so, dass eine Frau intelligent ist und einen Beweis dafür hat – zum Beispiel einen Studienabschluss. Es gehört sich so, dass eine Frau das eigene Geld verdient und sich davon ein Bett kauft. Es gehört sich so, dass eine Frau viel und gerne kocht. Leider macht sie das alles nur, um bessere Chancen zu bekommen, einen richtigen Mann anzuziehen, bei dem es sich so gehört, dass er stark ist und die Handarbeiten erledigen kann.

Es kostete mich tatsächlich ein bisschen Zeit, die Konsequenzen meiner patriarchalen Erziehung zu überwinden und den am häufigsten in meiner Kindheit und Jugend gehörten Satz zu vergessen: „Anna, was soll das? Du bist doch ein Mädchen!“ Wenn mein 31-jähriges Ich Tipps an mich mit 18 geben könnte, hätte ich mir folgendes gesagt: Es ist wichtig, sich so ausdrücken zu können wie man es für richtig hält und die nicht-Mädchen Wörter und Redewendungen nicht zu verabscheuen. Es ist wichtig, beim Trinken mitzuhalten. Es ist wichtig, eine Bohrmaschine bedienen zu können und keine Angst zu haben, Ikea-Möbel selbst zusammen zu bauen. Es macht so viel Spaß die eigene Wohnung mit eigenen Händen einzurichten und es beschäftigt einen wunderbar, wenn man gerade das Haus nicht verlassen kann!

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Illustratorin: Kateryna Dorokhova
Illustratorin: Kateryna Dorokhova