Illustration: über Sprachgrenzen hinaus

Created by Ilona Ushenina |

Wie jede Kunst, verbindet auch die Illustration Menschen unabhängig von ihrem Alter oder Geburtsort. Sie geht über die Grenzen einer Sprache hinaus, in dem sie Bilder erschafft, die beinahe jeder verstehen kann. Die Illustration erfüllt auch die Funktion des Vermittlers zwischen der Kunst und dem Verbraucher.

Von der rasanten Entwicklung des ukrainischen Buchmarktes in den letzten Jahren hat auch die Illustrationsbranche profitiert und die ukrainischen Illustrationskünstler wurden zu den anerkannten Playern der internationalen Illustrationsszene. Beispielsweise erscheinen regelmäßig die ukrainischen Ausgaben in dem Katalog „The White Ravens“, der von der Stiftung Internationale Jugendbibliothek (München) herausgegeben wird und der die besten Bücher aus mehr als 40 Ländern präsentiert. 2020 haben folgende zwei Bücher in den Katalog geschafft: der Fantasyroman für die Teenager „Sapiens“ (ukr. „Sapijensy“) von Volodymyr Arjenjev, illustriert von Lina Kvitka und lustiges Bilderbuch von Halyna Malyk „Piratentour“ (ukr. „Pirats'kyj maršrut“), illustriert von Hrasja Olijko.

Im Januar 2021 wurden ukrainische Illustratorinnen Alona Shostko und Hanna Ivanenko im Rahmen des europäischen Wettbewerbs iJungle Illustration Awards mit Goldmedaillen in Kategorien „Buch“ (Book) und „Werbung“ (Commercial) entsprechend auszeichnet.

Gibt es für die rasante Entwicklung der ukrainischen Illustration einen besonderen Grund? Laut der Chefredakteurin des Verlages für das Jugendbuch „The Black Sheep Publishing House“ Khrystia Vengryniuk verfügen die ukrainischen Künstler über die gleichen Skills wie die Westlichen: „Sie lernen viel, sind bereit sich der Herausforderungen anzunehmen und zu experimentieren. Sie können mit den Sinnbildern und Charakteren arbeiten, fühlen die Handlungen.“ Die Künstlerin Hrytsia Erde (s. Auch Gel[:b]lau #14) sagt, dass der Begriff der „nationalen Illustration“ sich immer mehr auflöst: „Beispielsweise hat sich die polnische Illustration vor 30 Jahren sehr stark von ihrer Nachbarländern unterschieden, wogegen heute die Herkunft des Künstlers keine Rolle mehr spielt.“

Dafür spielt — ganz nach Gesetzen des Marketings — die Zielgruppe eine Rolle. Zumindest, wenn es um die kommerzielle Illustration geht. Deswegen ist es für einen Illustratoren oder eine Illustratorin sehr wichtig, ihre Auftraggeber mit deren Vision, sowie die Endkunden und das finale Produkt zu verstehen, und dabei den eigenen Stil beizubehalten. „Illustration ist kein Gemälde“, sagt Khrystia und fügt hinzu: „Viele Maler glauben, dass sie als Künstler die Bücher illustrieren können. Aber sie täuschen sich.”

Um ein [guter] Illustrator zu sein, braucht man nicht zwingend eine abgeschlossene Ausbildung. „Wenn man eine akademische Basis wie z. B. Kenntnisse über die Komposition oder Farben braucht, kann man diese beinahe überall innerhalb von Bachelor Studiengängen rund um die Kunst erhalten“, sagt Hrytsia Erde. „Ich selbst habe einen Bachelor in Innenausstattung von einer Privathochschule, die nicht mehr existiert. Man könnte meinen, dass ich gar keine Ausbildung habe, aber es hat mich nicht daran gehindert, an den ukrainischen und internationalen Ausstellungen teilzunehmen und mit den Kunden aus der ganzen Welt zu arbeiten. Viel wichtiger sind Sprachkenntnisse: Ich zum Beispiel spreche Englisch, Deutsch und Polnisch.” Illustratorin Yevhenia Haidamaka teilt diese Meinung: „Der internationale Illustrationsmarkt ist offen für jeden, der bereit ist, über die eigene Komfortzone herauszugehen. Das wichtigste ist, die Trends und Kundenerwartungen zu kennen.“

Noch bis Ende März dauert die Ausstellung „Ukrainian Illustration Garden“ in der Nationalen Bibliothek für Kinder und Junge Erwachsene in Seoul (Südkorea). Diese wird vom Illustratorenklub „Pictoric“ in Kooperation mit der Botschaft der Ukraine in der Koreanischen Republik kuratiert. Dies ist nicht das erste derartige Projekt von „Pictoric — ähnliche Ausstellungen gab es bereits u. A. in Deutschland, im Rahmen der deutsch-ukrainischen Jugendbegegnungen MeetUP!, in Portugal im Rahmen des Programms „Tandem Ukraine“ und auch in Polen, Frank- reich und Georgien. So nimmt die Illustration ihren Platz zwischen den Werkzeugen ein, die heute das Image der Ukraine im Ausland formen. Sie eröffnet einen weiteren interkulturellen Dialog und zeigt das Land von einer — ggf. bisher unbekannten — kreativen Seite.

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