Kobzar und Skoworoda-Forscher aus Erfurt Petro Pristupov

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„Setzt dich, Bruder, sprich zu mir. Das hätte ich so gern. Deine lebensspendenden Wörter halten meine Sorge fern“

Mit diesem Text aus dem Lied über das Glück von dem ukrainischen Philosophen des 18. Jahrhunderts Hryhorij Skoworoda beginne ich mein Gespräch mit dem Komponist, Kobzar und Skoworoda-Forscher aus Erfurt Herrn Petro Pristupov.

 

Petro, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Skoworodas Gedichte in Töne zu setzen und diese mit der Kobza vorzuspielen?

Als ich zum ersten Mal „Garten der Göttlicher Lieder“ von Skoworoda gelesen habe, konnte ich mir damals nicht vorstellen, die Musik für alle dreißig Lieder zu schreiben. Aber ich wollte unbedingt einige Gedichte vertonen. Die Musik zu den Gedichten zu verfassen bedeutet für mich, das wahre und komplette Eindringen in die kreative „Feuerstelle“ des Dichters, aus der die Poesie entsteht. Von dort heraus gehe ich mit dem Dichter durch den ganzen Weg der Kreation eines Liedes. Der Dichter wird zu meinem Freund, Berater und Gesprächspartner. Ein erstaunliches Erlebnis! Die Begleitung der vertonten Lieder mit Kobza nähert die Zuhörer/innen zur Barockzeit.

Das Lied „Die wertvolle Zeit des Lebens“ haben Sie mal mit dem „Testament“ von Schewtschenko verglichen. Warum?

Die Gesellschaft befindet sich in verschieden Zuständen. Die deutlichsten davon sind Krieg, Revolution, friedliches Leben. Das von Kindheit an bekannte Testament von Schewtschenko ist ein starker Aufruf für den Kampf. Dieser Aufruf zieht die Menschen zusammen, in dem der das Individuelle dem Kollektiven zum Opfer bringt. Die Ukraine ist diesem Aufruf mehrmals gefolgt, z.B. in den Jahren 2004 und 2014.

Die friedliche Zeit bringt hingegen die individuellen Eigenschaften jedes Einzelnen hervor. Die Persönlichkeitsmerkmale der Regierenden und der Bevölkerung gewinnen an Bedeutung für die Entwicklung des Landes. Dann ist es höchst wichtig, die Worte von Skoworoda in unserem Gedächtnis zu bewahren: „Lieber ist eine Stunde voller Gnade und Trost/ Als ein Tag in den Sünden, der vergeht nur umsonst/Rein ein Tag in der Ehre siegt ein Jahr in der Sucht;/Böse Ewigkeit ist leerer als zehn Jahre mit der Frucht!” Diese Zeilen aus dem Lied 23 des „Gartens der göttlicher Lieder“ sind ein Aufruf an uns, die geistigen Nachfahren des ukrainischen Philosophen des 18. Jahrhunderts, ein Testament von Hryhorij Skoworoda.

Ihr musikalisches Theaterstück „Ich kenne den Menschen“ beginnt mit den Worten „Die Welt schläft..“ und endet mit dem Aufruf „Höre, der Mensch, was für ein Kern in dir steckt“. Um welchen Schlaf und welchen Kern handelt es sich?

Dieser „Schlaf“ lässt sich heute als „Zombi-Gestalt“ bezeichnen. Diese von der TV-Propaganda hergestellte „Golems“ sind sehr gefährliche Wesen, denn sie verspüren keine moralischen Hindernisse, der tierischen Sucht nachzugehen. Über die Bekämpfung dieser tierischen Sucht schreibt Skoworoda. Derjenige, dem es gelingt, das tierische „selbst“ zu beseitigen, bekommt das Vergnügen vom „kräftigen Kern“, einer befreiten Seele. Diese Idee steht im Mittelpunkt meines Werkes „Ich kenne den Menschen“.

Manchmal nehmen wir die Philosophie als etwas Abstraktes wahr. Skoworoda nennt sie hingegen „das Hauptziel des Lebens“. Inwiefern hilft Ihnen die Lehre von Skoworoda im Alltag?

Mir hilft z.B. Skoworodas Lehre über die „Berufung“. Derjenige der seine Berufung gefunden hat ist schon ein glücklicher Mensch. Übrigens beinhalten seine Traktate zahlreiche Formeln, die man lernen kann. „Was du gemocht hast, das bist du geworden“, „Aus Unsehbarem lerne Sehbares“, “Strebe nach dem Höhepunkt und du wirst die Hälfte erreichen“, „Nicht alles was dir nicht schmeckt ist Gift“. Das ist nur ein winziger Teil des Erbes Skoworodas, woraus ich den Nutzen für mein Leben ziehe. Sie finden da bestimmt auch viel Nützliches für sich!

Wie würden Sie empfehlen, mit dem Erbe Skoworodas anzufangen?

Hören Sie sich „Garten der Göttlichen Lieder“ an.
Machen Sie sich mit den Briefen Skoworodas vertraut.
Lesen Sie die Biographie Skoworodas, geschrieben von seinem Schüler Mychajlo Kowalynskij.
Entdecken Sie die Welt von Skoworodas Fabeln. Als nächstes nehmen Sie „Eingangstür zu christlichen Sittsamkeit“.
Jetzt Sind Sie bereit, in seine philosophische Traktate einzutauchen.

Ich bedanke mich für das freundliche Gespräch.

Danke für die Gelegenheit, wichtige Themen ans Publikum zu bringen.

Webseite des Autors: https://pristupov.wixsite.com/music
Youtube-Kanale: https://www.youtube.com/channel/UCTJBK5dXOJoD2mm_DwrMnrQ

 

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