Nachhaltigkeit: ob es nicht zu spät ist?

Created by Kseniya Fuchs |

Nachhaltigkeit in der Ressourcennutzung, in der Politik, in der Unternehmensstrategie - dieser Begriff ist in aller Munde. Aber was genau bedeutet dieser Begriff?

Duden definiert Nachhaltigkeit zum einen als eine “längere Zeit anhaltende Wirkung” und zum anderen als “ein Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann”.

 

World Resources Institute: Für mehr Wohlstand und gesunde Umwelt

1982 wurde World Resources Institute ins Leben gerufen, mit dem Ziel - wirtschaftliche Entwicklung, Ressourcen und Umwelt durch die  zielgerichteten Analysen und politisches Engagement zu vernetzen. Die Gründer und Mitglieder glauben an eine Welt mit Wohlstand für alle, sowie an eine gesunde Umwelt. Die Organisation definiert sieben Problembereiche: Klima, Energie, Essen, Wald, Wasser, Städte und Ozean. Zusammen mit den Top-Managern der Welt möchte das 1982 gegründete Institut, globale Veränderungen anstreben. Die Strategie ist simpel: Messen, verändern, skalieren (Count it, change it, scale it).

Im ersten Schritt werden die Daten mithilfe der unabhängigen Recherchen und modernen Technologien erhoben. Anhand der durchgeführten Analysen werden die Risiken und Potenziale ermittelt sowie Handlungsempfehlungen abgeleitet. Die Lösungen werden gemeinsam mit den Regierungen, Unternehmen sowie Gesellschaft ausgearbeitet. Anschließend fängt die Umsetzung in den Projekten gemeinsam mit den Partnern an, um die Veränderungen herbeizuführen, um Armut zu bekämpfen und die Gesellschaft zu stärken. Die Einbeziehung der Entscheidungsträger sorgt für maximale Auswirkung und die erfolgreichen Projekte werden regional sowie global skaliert.

Für Befürworter der pragmatischen Lösungen zählt nur das Messbare als Erfolg. Alleine im Laufe des letzten Jahres wurden weltweit Projekte und Vermeidung der illegalen Abholzung oder auch Erschaffung einer sicheren Stadtinfrastruktur umgesetzt.

Deutschland: Nachhaltigkeit = Umweltschutz

Was sieht es mit Deutschland aus? Aktuell befindet sich das Land im Umbruch. Nachhaltigkeit wurde zum Synonym für Umweltschutz. Denn heute spricht man in Deutschland über eine “enkelgerechte Zukunft”. Auch wenn die Notwendigkeit der Energiewende bekannt ist, kommt die Umstellung auf die nachhaltige Lebensweise in jeder politischen und gesellschaftlichen Hinsicht ziemlich schleppend voran. Nun sind sich die Politiker einig: Deutschland braucht eine Veränderung.

Ein wichtiges Ziel ist der Umstieg von den fossilen und nuklearen Brennstoffen auf die erneuerbaren Energien. Einfach gesagt, schwieriger umzusetzen, denn der “Kohleausstieg”, um den es in der Regierung regelmäßig heftig diskutiert wird, bedeutet eine grundsätzliche Veränderung der Energieversorgung Deutschlands. Laut dem Konzept der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“, das am 31. Januar 2019 vorgelegt wurde, wird ein kompletter Ausstieg spätestens bis 2038 empfohlen. Sollte das Konzept wie beschrieben auch umgesetzt werden, darf man sich um eine enorme Reduktion des CO2 Ausstoßes freuen. Offen bleibt die Frage der Umstrukturierung der Braunkohlregionen, in welchen Tausende Jobs von der Kohleindustrie abhängen. Bereits seit 2017 können regionale Projekte beim Programm “Unternehmen Review” eingereicht werden, um den ökologischen Fortschritt in den betroffenen Regionen gemeinsam zu gestalten.

Weg von fossilen Brennstoffen bedeutet auch eine Veränderung in der Automobil-Industrie: Die Zukunft liegt in der Elektromobilität. Im Januar 2018 wurden 29 Modelle der Elektroautos deutscher Autohersteller und 9.000 Ladestationen registriert (BMWi Daten). Jedoch stößt die noch nicht ausgereifte Technologie (Stichwort: Reichweite) sowie unzureichende Infrastruktur (Mangel an Ladestationen) auf wenig Begeisterung beim Endverbraucher. Außerdem scheinen die Angebote der Fahrzeuge mit den Verbrennungsmotoren attraktiver zu sein. Denn laut den Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes aus Januar 2019 verfügen nur knapp 83.000 der zugelassenen Autos von 47 Mio. über einen Elektromotor, was 0,17 % entspricht. Zusammen mit den Hybrid-Fahrzeugen liegt der Anteil der alternativen Motore bei 0,9 %. 

Auch die Ölheizung soll bei den Neubauten künftig verboten werden (die möglichen Fristen werden aktuell heftig diskutiert). Bereits heute gibt es Fördermöglichkeiten für alternative Heizungskonzepte, wie z. B. Pellet- und Wärmepumpenheizung, um die Haushalte von den Alternativen zu Öl und Gas zu überzeugen.

Ein weiteres wichtiges Thema ist Plastik. Im Mai 2019 hat die EU-Kommission beschlossen, dass keine Einweg-Plastikartikel ab 2021 verkauft werden dürfen. Betroffen sind u. A. Kunststoffgeschirr, Trinkhalme und Lebensmittelbehälter aus oxo-degradierbaren Kunststoffen. Auch über den Einsatz von Mikroplastik bei den Kunstrasenplätzen (Sportplätze) wird aktiv diskutiert und empfohlen, darauf zu verzichten und auf Alternativen umzusteigen. Wer die Kosten tragen soll, sollte die EU-Richtlinie zu einem Gesetz werden, ist offen.

Unabhängig von den politischen Entscheidungen befürworten immer mehr Menschen die Nachhaltigkeit in jedem Lebensbereich: Sei es ein bewusster Verzehr von Fleisch und Milchprodukten, Nutzung der Naturkosmetik oder auch Fahrrad fahren als die Möglichkeit von A nach B zu kommen. Die Hilfestellung kann man aus der Technologiewelt holen. Beispielsweise hilft die App “Code Check” die Inhaltsstoffe in den Lebensmitteln oder auch Drogerie- oder Kosmetikartikeln zu inspizieren. Einfach den Barcode abscannen und eine verständliche Übersicht über die Inhaltsstoffe inkl. Bewertung erhalten. Die ebenfalls kostenlose App “Too good to go” setzt sich gegen Verschwendung in der Lebensmittelindustrie ein. Dabei profitieren nicht nur die User, die über die App auf die vergünstigte Essensangebote zurückgreifen können. Auch die Unternehmen, die mitmachen, reduzieren dadurch ihren Abfall aus der nicht verkauften Ware.

Bei der genaueren Betrachtung hängt es nur von uns selbst ab, ob die Welt, die wir unseren Nachkommen hinterlassen werden, noch so sein wird, wie wir selbst sie kennen. Es ist die Entscheidung jedes einzelnen, auf Plastik- oder Papiertüten beim Einkauf zu verzichten, eine [heute noch] alternative Heizung einzubauen und Überfluss von Essensresten im Abfall zu reduzieren.

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