„Still in the woods“ - eine Leipzig-Berliner-Band, die auf eine selbst organisierte Ukraine-Tour geht

Created by Iryna Fingerova |

Wie ist es dazu gekommen, dass eine Leipzig-Berliner-Band auf eine selbst organisierte Ukraine-Tour geht? Warum sucht “Still in the Woods” neue Inhalte anstatt Wurzeln? Sind die deutschen Jazzmusiker in der Ukraine bekannt? Das Bandmitglied Robert Wienröder hat unsere Fragen trotz des straffen Zeitplans sehr detailliert beantwortet - so entstehen die besten Interviews.

Robert Wienröder erzählt über das „rootless“ Konzept und Konzerte in der Ukraine.

„Still In The Woods“ ist quasi das Gegenteil des amerikanischen Sprichworts „to be out of the woods“, was so viel bedeutet wie „es geschafft zu haben“. Demnach bedeutet „Still In The Woods“, dass man es noch nicht geschafft hat, dass man quasi immer noch nicht fertig, auf der Suche, quasi „im Wald“ ist. Wir sind zu viert - Anna, Hermann, Raphael und Robert, und definieren uns auch überhaupt nicht mehr als eine richtige Jazzband, sondern einfach als eine Band, die versucht, ganz ehrliche Musik zu machen.

Das erste Album heißt „Rootless Tree“, das zweite „Flying Waves“. Warum gibt es jeweils keine Verbindung zu der Erde?

So ein bisschen kann man hier wieder das aufgreifen, was ich über den Bandnamen gesagt habe: Im Zusammenhang mit dem Unfertigsein steht das Ungebundene, Wurzellose, manchmal auch Ziellose, das wir als Band, die zwischen Leipzig und Berlin pendelt, in uns tragen. Und natürlich spielt da auch das große Thema unserer Generation mit rein, dass man den eigenen Weg sucht und sich dabei manchmal ein bisschen verloren, gleichzeitig aber immer auch sehr frei fühlt.

Im Jahr 2017 haben Jakob und Robert zusammen mit Leleka in der Ukraine gespielt. Wie kam es dazu?

Leleka wurde in ähnlichen Kreisen wie Still in The Woods bekannt. Natürlich hat es auch geholfen, dass zwei von uns bereits eine gemeinsame Band hatten und sich deshalb besser kannten. In der Ukraine haben wir gespielt, weil die Sängerin aus der Ukraine kommt und gerne dort spielen wollte. Wir haben dann eine Tour selbst organisiert, auf welcher wir extrem unterschiedlichen Konzerte erlebt haben: Mal waren nur wenige Leute da und wir haben in einem eher kleinen Raum gespielt, mal waren mehr da. Einmal in Slowjansk haben wir in einer Schulaula für mehr als 300 Leute gespielt. Die Atmosphäre war bei allen Konzerten und auch bei den Tourneen danach super.

Was auch krass war - die Entfernungen. Die Ukraine ist ein wirklich riesiges Land, es ist schon erstaunlich, wie lang man mit dem Zug fahren kann und dabei trotzdem nur einen kleinen Teil der Ukraine auf der Landkarte durchqueren.

Insgesamt war ich drei Mal auf Tour in der Ukraine und ich muss sagen, dass ich wirklich positiv überrascht war: Bei den Konzerten waren die Leute oft begeistert, immer sehr bei der Sache. In Deutschland ist das Publikum generell etwas kritischer und nicht so leicht zu begeistern. Und insgesamt waren alle sehr gut drauf, auch außerhalb der  Konzerten, sehr herzlich, wir haben uns  einfach wohl gefühlt.

Bei unserer Tour mit Still In The Woods ein halbes Jahr nach der ersten Leleka-Tour war das sogar noch stärker: Da hat man sich rührend um uns gekümmert, wir wurden von einem Fahrer aus Budapest abgeholt, wo wir vorher ein Konzert gehabt hatten. Auf die Beine hatte das alles Yaroslav Trofimov vom Jazzclub „Perron №7“ aus Odessa gestellt. Das ist ein richtig toller Club. Als wir mit Leleka auf der ersten Ukraine-Tour bei ihm gespielt haben, hat er jedes einzelne Bandmitglied ausführlich im Internet recherchiert, um uns dem Publikum richtig gut vorstellen zu können. Jedenfalls hat er bei seinen Recherchen natürlich auch Still In The Woods entdeckt.

Aber auch ganz unabhängig davon: Wir alle, in beiden Bands, haben die Ukraine und ihre Menschen richtig lieben gelernt.

Hört ihr auch ukrainische Musik?

Ehrlich gesagt hören wir bisher nicht viel ukrainische Musik. Mit Leleka haben wir ukrainische Volkslieder vertont, und da habe ich natürlich auch ein paar, die ich besonders mag. Und ukrainische JazzmusikerInnen, die in Deutschland aktiv sind, z.B. Igor Osypov und Yuriy Seredin (haben sogar mit mir am Jazz-Institut studiert), Dima Bondarev, Yulia Holub, Ganna Gryniva, Tamara Lukasheva.

Welche musikalischen Assoziationen hast du mit der Ukraine?

Hauptsächlich das, was ich gerade gesagt habe: Musikalische Volkslieder. Darüber hinaus aber auch Dinge, die ich auf den endlosen Bus- und Zugfahrten gern gehört habe, die irgendwie einfach zur Stimmung und zur Landschaft und zur vielen Zeit gepasst haben, die ich durch die langen Fahrten hatte. Z.B. ECM-Alben, aber auch Sachen von Tigran Hamasyan, die in die Richtung gehen (ein Album von ihm ist sogar auch auf ECM erschienen).

 

Die offizielle FB-Seite von Still in the Woods: fb.com/still.in.the.woods/

Back