Taktiles Internet: Hallo aus der Zukunft

Created by Tanja Ivanchenko |

Einen neuen Beruf zu ergreifen, ohne das Haus zu verlassen oder ohne Vorkenntnisse meisterhaft Klavier zu spielen, ist keine futuristische Erfindung, sondern gegenwärtige Realität.

Alles, was dafür notwendig ist, sind Berufskleidung, AR-Brillen und Zugang zum Internet. Und wenn die Ukraine über das "Land im Smartphone" aktiv diskutiert, arbeitet die Technische Universität Dresden an "Fähigkeiten im Telefon". 

Roboter-Zukunft zum Preis eines Fernsehers

Spezielle Brillen mit zwei eingebauten Kameras helfen, die sogenannte „erweiterte" Realität (Augmented reality) zu schaffen. Ihnen gefällt zum Beispiel der zurückhaltende Minimalismus im Design, aber ein sperriger Fernseher passt da nicht zu? Setzen Sie Ihre brandneue AR-Brille auf und voilà: Speziell dafür programmierte Funktionen ermöglichen es, den virtuellen Monitor an eine Wand zu hängen.

Es gibt keinen Fernseher, aber man hat das Gefühl, er wäre wirklich da.

Mit Hilfe von AR-Brillen und speziellen Handschuhen kann man nicht nur ein Fernsehhologramm oder eine karibische Palme in den Raum stellen, sondern auch etwas Neues lernen. Zum Beispiel kann man Beethovens „Mondscheinsonate“ spielen, auch wenn man noch nie ein Klavier angefasst hat. Eine Brille hilft beim Verstehen der richtigen Lage der Hände und die Handschuhe helfen beim Drücken der Tasten.

Ein solches spezielle Set wird in der nahen Zukunft nicht mehr kosten, als ein gewöhnliches Fernsehgerät, prognostiziert Evgenij Tzokalo, Doktorand der technischen Wissenschaften der Universität Dresden.

Heute arbeitet er in einem internationalen Team, das Experten aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen im Rahmen des Zentrums des Taktilen Internets CeTI vereinigt. Das innovative Projekt zielt darauf ab, ein Netzwerk von Fähigkeiten, die durch das Internet verfügbar sind, zu schaffen, sowie die Entwicklungen auf dem Gebiet der Robotertechnik und des der künstlichen Intelligenz zu entwickeln und voranzutreiben. "Mensch-Roboter-Mensch" - das ist genau das Modell der Zusammenarbeit, an der hier gearbeitet wird. Die Zusammenarbeit von Maschinen und Menschen in Medizin, Industrie und Lehre ist der neue Aufruf nicht nur für die Forscher, sondern auch für die Gesellschaft.

Zukunft mit Robotern oder mit Menschen?

Trotz Skepsis gegenüber hohen Preisen und möglichen Risiken entwickelt sich die Robotertechnik blitzschnell. Die metallischen Helfer waschen nicht nur das Geschirr, kämpfen mit dem Staub und schenken in Bars aus, sondern helfen auch in Krankenhäusern und Unternehmen. In 5 Jahren haben wir die Chance zu sehen, dass der Bäcker nicht unbedingt gebraucht wird, um den Teig zu verarbeiten, nicht unbedingt der Chirurg die Wunde zunähen muss und der Arbeiter nicht das Metall schneiden muss. Die Roboter können dabei unter der Aufsicht eines Menschen helfen.

Für die Ärzte, zum Beispiel, wird es nicht unbedingt nötig sein, sich im Raum aufzuhalten. Der Prozess kann aus der Ferne kontrolliert werden. Und wie man dies schnell, präzise und mit minimalen Aufwand umsetzt, ist eine Aufgabe, an der Evgenij Tzokalo und der Lehrstuhl für Kommunikationsnetze unter der Leitung von Professor Fitzek arbeiten.

Wenn es in Tschernobyl Roboter gäbe

Vielleicht bespricht nur die faule Person die britisch-amerikanische Fernsehserie "Tschernobyl" nicht, in der die Liquidatoren des Atomunfalls eine der Schlüsselrollen spielen. Wenn jedoch im April 1986 moderne Technologien zur Verfügung gestanden hätten, wäre es nicht erforderlich gewesen, nach Pripyat zu fahren. Die speziell ausgebildeten Operatoren hätten die Aufräumarbeiten aus Moskau verwalten können. Der Prozess würde an ein Computerspiel erinnern, wo der Mensch das Programm bedient, und das Programm den Roboter steuert. Nehmen wir an, Sie bewegen Steine vom Dach eines Reaktors und dieselbe Bewegung wiederholt der Roboter an Ort und Stelle. Dieser Vorgang wird als „Fernbedienung“ bezeichnet.

Die Grundvoraussetzung für ein Happy End

Die Robotertechnik in der Wohnung, im Auto, am Arbeitsplatz ist eine Frage von Geld und Zeit. Ohne Roboter kann man sich das Leben schon nicht mehr vorstellen! Der Roboter Sophia bereist die Welt und macht Smalltalk, «Da Vinci» hilft, chirurgische Operationen durchzuführen und Alexa informiert über Nachrichten und erstellt Einkaufslisten. Die erfundenen Inhalte futuristischer Filme werden eine alltägliche Realität. Aber die Grundvoraussetzung für ein Happy End ist, dass die Roboter Maschinen bleiben und die Rolle der entscheidenden Autorität von der Person gespielt wird.


 

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