Drag als Alter Ego
Unseren nächsten Gesprächspartner, Marko, treffen wir in einer Bar im Zentrum von Stuttgart. Heute trägt er weder Make-up noch Perücke oder High Heels – zum ersten Mal sehen wir ihn nicht als seine Drag-Persona. Marko ist 23 Jahre alt und lebt seit fast zwanzig Jahren in Deutschland. Er wurde in Saporischschja geboren, studiert Wirtschaft und arbeitet bereits: tagsüber in einer Firma für industrielle Kennzeichnungssysteme, abends steht er als Drag Queen Zlata auf der Bühne.
Marko, das Thema unserer Ausgabe ist das unveräußerliche Recht, man selbst zu sein. Was bedeutet diese Freiheit für dich ganz persönlich?
Für mich bedeutet sie zum Beispiel, Drag machen zu können, ohne Angst haben zu müssen, in einer Bar oder während eines Auftritts angegriffen zu werden.
Viele Menschen wissen gar nicht genau, was Drag eigentlich ist. Weil diese Kunstform so visuell, extravagant und oft provokant wirkt, ruft sie häufig Vorurteile und Klischees hervor. Kannst du erklären, was Drag für dich persönlich bedeutet?
Der Begriff „Drag“ stammt ursprünglich aus dem Englischen – dressed as girl. Seine Wurzeln reichen bis in eine Zeit zurück, als Frauen nicht auf der Theaterbühne auftreten durften und männliche Schauspieler die weiblichen Rollen übernahmen. Das ist gewissermaßen die historische Grundlage von Drag.
Entgegen einem weitverbreiteten Klischee ist Drag aber keineswegs nur etwas für schwule Männer. Drag kann jede und jeder machen – auch Frauen.
Für mich persönlich ist Drag vor allem eine Bühnenfigur. Ich liebe die Bühne. Zehn Jahre lang habe ich Standard- und Lateintanz gemacht. Vor fünf Jahren habe ich damit aufgehört, weil ich mich auf mein Studium konzentrieren wollte, inzwischen möchte ich wieder damit anfangen.
Als ich mit dem Tanzen aufgehört hatte, fehlte mir etwas. Ich wollte mich weiterhin kreativ ausdrücken. Schon in der Schulzeit hatte ich zum ersten Mal RuPaul’s Drag Race gesehen – und war sofort fasziniert. Beim Tanzen haben mich immer die Kleider der Tänzerinnen begeistert, ihr Make-up und ihre Frisuren für die Turniere. Deshalb fand ich die Vorstellung unglaublich spannend: So können also nicht nur Frauen aussehen, sondern auch Männer!
Über Freunde lernte ich schließlich meine Drag-Mutter kennen, die damals bereits seit fünf oder sechs Jahren als Drag Queen auftrat. Ich erzählte ihr, dass ich es selbst gern ausprobieren würde. Zu Halloween 2022 schminkte sie mich zum ersten Mal als Drag Queen. Gemeinsam gingen wir auf eine Party – komplett im Glamour-Look, mit Perücke, Kleid und High Heels.
Und ich war sofort begeistert.
Es war ein faszinierendes Gefühl. Die Menschen schauten mich an, obwohl an Halloween alle in auffälligen Kostümen und mit aufwendigem Make-up unterwegs waren. Aber für mich ist Drag weder ein Kostüm noch eine Maske. Das bin immer noch ich – nur auf eine andere Weise. Ich spiele keine andere Person. Ich bringe lediglich eine andere Seite meiner selbst zum Ausdruck.
Drag gibt mir die Möglichkeit, auf eine andere Art mit Menschen zu kommunizieren.
Wie ist schließlich Zlata entstanden?
Am Anfang hatte ich erstaunlich lange keinen Drag-Namen. Natürlich fragten mich alle, wer ich sei, und eine Zeit lang stellte ich mich einfach als Marko vor, weil ich selbst noch nicht wusste, wie ich als Drag Queen heißen wollte. Mir war aber von Anfang an klar, dass ich einen ukrainischen Namen haben wollte.
Ein paar Monate später nahm ich bereits an einer Newcomers’ Show in Esslingen teil. Dort brauchte jede Teilnehmerin einen Künstlernamen. So entstand Zlata.
Für mich ist Zlata im Grunde Marko – nur freier, selbstbewusster und ein wenig frecher. Zlata darf sich schärfere Bemerkungen erlauben, ohne dass die Menschen sie als Beleidigung verstehen. Sie wirken eher verspielt und humorvoll.
Diese Figur gibt mir die Freiheit, manchmal etwas unkonventionelle oder leicht respektlose Witze zu machen – nie verletzend, sondern so direkt, wie ich normalerweise nur mit meinen engsten Freundinnen und Freunden spreche.
Durch Zlata kann ich diese Offenheit auch anderen Menschen gegenüber zeigen. Sie kann praktisch jedem alles sagen.
Das heißt, durch Zlata bringst du vielleicht Dinge zum Ausdruck, die du dir im Alltag eher verkneifst?
Nicht unbedingt. Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der sagt, wenn ihm etwas nicht gefällt. Dafür brauche ich keine Bühnenfigur. Aber wenn ich als Zlata auftrete, wird Kritik von den Menschen anders aufgenommen. Wenn ich im Drag etwas Kritisches sage, lachen die Leute zunächst darüber. Vielleicht bringt es sie anschließend zum Nachdenken – vielleicht auch nicht. Aber sie reagieren jedenfalls nicht sofort mit Ablehnung.
Wie würdest du Zlata beschreiben? Was für eine Frau ist sie?
Ich hoffe, dass Zlata inzwischen als eine selbstbewusste und ernst zu nehmende Frau wahrgenommen wird. Sie ist nicht einfach nur laut oder unbeschwert. Vor jedem Auftritt bereite ich mich gemeinsam mit meiner Drag-Mutter vor. Ich erzähle ihr von meiner Idee, und dann suchen wir zusammen Outfits aus und überlegen, wie wir den Look möglichst professionell umsetzen können. Deshalb wünsche ich mir, dass das Publikum Zlata als eine erwachsene, durchdachte und verantwortungsbewusste ukrainische Frau erlebt.
Wie steht deine Mutter eigentlich zu deinem Drag?
Sie unterstützt mich sehr. Als ich ihr zum ersten Mal erzählte, dass ich Drag machen möchte, und ihr mein erstes selbst geschminktes Make-up zeigte, schüttelte sie lachend den Kopf und meinte: „Du willst wirklich so auf die Bühne gehen? Da musst du noch eine Menge lernen.“ (lacht) Als ich mich später für die Newcomers’ Show in Esslingen selbst schminkte, sagte sie schmunzelnd: „Na, diesmal muss ich mich wenigstens nicht für dich schämen.“ (lacht) Wann immer sie kann, begleitet sie mich zu Drag-Shows und Pride-Veranstaltungen. Beim ersten Mal schickte ich ihr sogar Selfies von meinem Make-up und fragte sie nach ihrer Meinung. Sie gab mir Tipps, und anschließend gingen wir gemeinsam mit der ukrainischen Gruppe zur Pride. Mein Bruder und seine Frau waren ebenfalls dabei.
Vergangenes Jahr bereitete ich mich in der Wohnung meines Freundes auf die Pride vor, und auch dort kam meine Mutter vorbei, um mir zu helfen. Danach gingen wir alle gemeinsam zum Demonstrationszug.
Dieses Jahr sagte sie: „Die Pride in Stuttgart ist selbstverständlich – aber ich möchte noch zu einer anderen.“ Deshalb fahren wir diesmal gemeinsam nach Wien: meine Mutter, mein Vater, mein Freund und ich.
Existiert Zlata also ausschließlich auf der Bühne?
Ja. Ich kenne einige Drag Queens in Stuttgart, die auch in Drag auf Partys gehen oder sich ganz selbstverständlich so in der Öffentlichkeit bewegen. Für mich ist Zlata dagegen eine Figur – fast wie Werka Serdutschka. Im Alltag gibt es sie nicht.
Ich verbringe nicht drei oder vier Stunden mit Schminken und Styling, nur um anschließend in eine Bar zu gehen. Für mich ist Drag eine Performance. Ich trete auf, wenn ich gebucht werde – das ist für mich Arbeit.
Im Moment arbeite ich außerdem daran, ein eigenes regelmäßiges Format aufzubauen: ein Drag-Barquiz.
Ist Drag für dich also vor allem Kunst, Hobby und Nebenberuf – oder hat es auch eine politische oder aktivistische Dimension?
Einen direkten politischen Anspruch oder eine aktivistische Botschaft verbinde ich damit nicht. Aber ich glaube, allein die Tatsache, dass ich Drag mache, ist bereits politisch. In Deutschland – und wahrscheinlich in weiten Teilen Europas – ist Drag inzwischen im Mainstream angekommen. Noch vor gar nicht so langer Zeit war es eine reine Underground-Kultur. Heute gibt es in fast jeder größeren Stadt bekannte Drag Queens. Diese Sichtbarkeit und Popularität zeigen, dass die Gesellschaft offener geworden ist.
Hast du noch Verwandte in der Ukraine? Und reagieren alle so positiv darauf?
Ich glaube tatsächlich, dass ich großes Glück habe. Fast alle in meiner Familie gehen sehr entspannt damit um. Die Familie meiner Mutter lebt noch in der Ukraine – in Saporischschja und Kyjiw. Einige meiner Verwandten folgen mir auf Instagram. Sie wissen, was ich mache und akzeptieren das ohne Probleme. Eine Ausnahme sind allerdings meine Großeltern. Ihnen fiel es anfangs schwer. Früher fragten sie mich ständig, wann ich endlich eine Freundin hätte und wann ich heiraten würde. Lange Zeit wich ich diesen Fragen aus. Irgendwann hatte ich jedoch genug. Ich sprach vorher mit meinen Eltern darüber. Als meine Großeltern mich dann wieder nach einer Freundin fragten, sagte ich ihnen ganz offen, dass ich seit drei Jahren mit meinem Freund zusammen bin. Meine Großmutter brach in Tränen aus, mein Großvater fluchte. Aber ich war auf diese Reaktion vorbereitet. Ich wusste, dass ich den Rückhalt meiner Eltern und meines Bruders hatte. Mit der Zeit beruhigte sich alles, und heute haben wir wieder ein normales Verhältnis.
Merkst du den Unterschied zwischen echter Akzeptanz und bloßer Toleranz?
Ja, absolut. Das spürt man sehr deutlich.
Was löst deiner Meinung nach bei vielen Menschen stärkere Ablehnung aus – dass du Drag machst oder dass du schwul bist?
Das lässt sich in meinem Fall kaum voneinander trennen. Ich begann mit Drag ungefähr ein oder zwei Jahre nach meinem Coming-out. Aber offensichtlich ruft Drag die stärkeren Reaktionen hervor, weil es viel unmittelbarer und sichtbarer ist – eben straight in your face.
Kannst du erzählen, wann und wie dein Coming-out stattgefunden hat?
Ich erinnere mich, dass ich etwa zwölf oder dreizehn Jahre alt war. Ich war mit meinen Eltern im Urlaub in Spanien und bemerkte am Strand zum ersten Mal, dass mich Männerkörper mehr anzogen als Frauenkörper. Dieses Gefühl habe ich jedoch bis zum Ende meiner Schulzeit für mich behalten. Mit 19, direkt nach dem Abitur, war ich mit meinem älteren Bruder unterwegs. Damals erzählte ich es ihm zum ersten Mal. Er reagierte ganz selbstverständlich und unterstützte mich. Danach öffnete ich mich Schritt für Schritt auch dem Rest meiner Familie. Mit 21 begann ich schließlich, Drag zu machen.
Was bleibt an dir unverändert – auch wenn du als Zlata auf der Bühne stehst?
Im Grunde ist Zlata einfach Marko – plus Weiblichkeit. Gerade darin liegt für mich der spannende Widerspruch meiner Drag-Figur: Ich versuche, möglichst feminin auszusehen, verdecke aber zum Beispiel niemals meine behaarte Brust. Dieser Schockmoment gefällt mir. Ich spiele bewusst mit den festgefahrenen Vorstellungen davon, was als männlich oder weiblich gilt.
Verändert das deinen Blick auf dich selbst als Mann?
Nein, überhaupt nicht. Ich kenne Menschen, die als Männer mit Drag angefangen haben und später gemerkt haben, dass sie eigentlich trans Frauen sind. Für sie war Drag ein Schritt auf ihrem Weg zu ihrer Geschlechtsidentität.
Bei mir ist das anders. Natürlich weiß ich nicht, was in fünf, zehn oder zwanzig Jahren sein wird. Aber im Moment ist Drag für mich eine Bühnenfigur. Im Alltag bin ich einfach Marko.
Hast du selbst ein klares Bild von Geschlechterrollen? Spürst du den gesellschaftlichen Druck, einem bestimmten Männerbild entsprechen zu müssen?
Diesen Druck gibt es natürlich. Aber persönlich kümmert mich das wenig. Wenn ich mich als Mann fühle – warum sollte das bedeuten, dass ich mich nicht auch feminin verhalten darf? Dass ich nicht auf eine bestimmte Weise sprechen oder gehen darf?Nach meinem Coming-out sagte einmal ein Kollege zu mir, er habe „es schon immer gewusst“, weil ich angeblich „wie ein Schwuler laufe“. Als ich fragte, was er damit meine, antwortete er: „Na ja, so, als würdest du auf Wolken gehen.“ Ich musste lachen und meinte nur: „Vielleicht liegt das einfach daran, dass ich zehn Jahre lang Turniertanz gemacht habe.“ (lacht)
Diese strikte Trennung zwischen männlich und weiblich existiert in unserer Gesellschaft ganz eindeutig. Für mich ist sie jedoch größtenteils konstruiert – und ehrlich gesagt ziemlich absurd.
Was meinst du, wenn du sagst, dass Zlata weiblicher ist als Marko?
Zum Beispiel schminkt sie sich. Sie achtet viel stärker auf ihr Äußeres. Als Marko mache ich mir darüber längst nicht so viele Gedanken. Manchmal wundere ich mich sogar über andere schwule Männer, die Schönheitsbehandlungen oder Injektionen machen lassen, um jünger auszusehen. Das wäre nichts für mich. Zlata dagegen hat als Bühnenfigur einen gewissen Perfektionsanspruch. Ihr Make-up muss makellos sein: perfekt geschminkte Lippen, symmetrische Augenbrauen – einfach alles.
Erlebst du durch Zlata also auch den gesellschaftlichen Druck, dem Frauen ausgesetzt sind? Glaubst du, dass dir das hilft, Frauen besser zu verstehen? Hast du viele Freundinnen?
Eigentlich habe ich gar nicht so viele Freundinnen – vielleicht zwei oder drei. Das liegt vor allem daran, dass sich unsere Wege selten kreuzen. Frauen gehen meistens nicht in dieselben Bars oder Clubs wie ich. Und selbst wenn wir uns begegnen, fällt es mir oft schwer, sie einfach anzusprechen und eine Freundschaft entstehen zu lassen. Vielleicht gerade deshalb, weil ich zumindest ansatzweise verstehe, welchem Druck viele Frauen ausgesetzt sind. Ich überlege immer, wie ich mich verhalten sollte, damit sich eine Frau in meiner Nähe wohlfühlt und keine Angst bekommt oder denkt, ich wolle sie anmachen.
Ich weiß, wie häufig Frauen in Bars oder Clubs von Männern belästigt werden. Deshalb versuche ich oft schon sehr früh deutlich zu machen, dass ich schwul bin, damit sie sich entspannen können. Vielleicht mache ich mir darüber manchmal zu viele Gedanken. Aber für mich fühlt sich das richtig an.
Du hast den größten Teil deines Lebens in Deutschland verbracht. Trotzdem ist deine Drag-Figur Zlata eine Ukrainerin. Warum war dir dieser Teil deiner Identität so wichtig?
Meine Familie ist 2006 nach Deutschland gezogen. 2017 haben wir die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen. Ich erinnere mich, dass mich in der Schule einmal jemand fragte, ob ich Ukrainer oder Deutscher sei. Ich habe kurz darüber nachgedacht und geantwortet: „Ich bin trotzdem Ukrainer.“
Du sprichst sogar Ukrainisch – wenn auch mit einem leichten deutschen Akzent.
Irgendwann wurde mir klar: Wenn ich mich als Ukrainer sehe, dann sollte ich auch Ukrainisch sprechen.
2021 war ich in der Ukraine – am Asowschen Meer und in Tschornobyl. In einer Pizzeria in Kyjiw verstand ich den Kassierer nicht. Das war mir unglaublich peinlich. Ich weiß, dass mein Ukrainisch noch längst nicht perfekt ist. Selbst heute fällt mir das Sprechen manchmal schwer. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich diese Sprache lernen muss.
Die ukrainische Politik, Geschichte und alles, was in der Ukraine passiert, haben mich schon immer interessiert. Deshalb fühle ich mich – trotz meines deutschen Passes – als Ukrainer. Als ich begann, meine Drag-Figur zu entwickeln, wusste ich deshalb sofort: Sie muss ebenfalls Ukrainerin sein. Deshalb ist Zlata eine ukrainische Frau. Ich trete mit ukrainischer Musik auf und versuche, auch dann politisch bewusst zu handeln, wenn das nicht immer der einfachste Weg ist.
Zlata nimmt inzwischen regelmäßig mit der ukrainischen Gruppe am CSD in Stuttgart teil. Warum war es dir wichtig, dort gerade als Ukrainer sichtbar zu sein?
Die meisten Drag Queens aus Stuttgart laufen beim CSD traditionell in der Gruppe der AIDS-Hilfe mit. Als ich jedoch sah, dass es eine eigene ukrainische Gruppe gibt, hatte Zlata ihren Platz gefunden. Plötzlich fühlte sich die Figur vollständig an.
Mir ist wichtig, dass die queere Community in Stuttgart ukrainische Queers sieht und akzeptiert. Genauso wichtig ist mir, dass neu angekommene ukrainische LGBTQ+-Geflüchtete sehen: Hier können sie frei leben, sie selbst sein und Menschen finden, bei denen sie sich zugehörig fühlen.
Eines der diesjährigen Themen des CSD Stuttgart ist die zunehmende Bedrohung der Sicherheit von LGBTQ+-Menschen und der wachsende gesellschaftliche Homophobie. Spürst du diese Entwicklung?
Persönlich hatte ich zum Glück noch keine entsprechenden Erfahrungen. Ich wurde weder körperlich noch verbal angegriffen. Vielleicht spielt dabei auch eine Rolle, dass ich 1,83 Meter groß bin und etwa 100 Kilogramm wiege. Da überlegen sich manche zweimal, ob sie mich ansprechen. Trotzdem verhalte ich mich in der Öffentlichkeit nicht immer so frei, wie ich es eigentlich gerne würde. Mein Freund und ich gehen zum Beispiel kaum Hand in Hand – besonders dann nicht, wenn wir spät abends unterwegs sind. Ich wähle bewusst Orte aus, von denen ich weiß, dass dort ein respektvolles Publikum ist. Die Bar, in der wir gerade sitzen, ist zum Beispiel kein klassischer Gay-Club, gilt aber als LGBTQ+-freundlich.
Natürlich verfolge ich die Nachrichten. Der wachsende Zuspruch für die AfD bereitet mir Sorgen. Und jedes Mal, wenn ich von organisierten Angriffen auf Treffpunkte höre, die in Stuttgart besonders bei schwulen Männern beliebt sind, beschäftigt mich das. Auch wenn ich persönlich bisher verschont geblieben bin, beeinflusst es mein Sicherheitsgefühl.
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