Erzähl mir ein Märchen oder freie Schulen sind der Schlüssel zu einer freien Gesellschaft

von | Apr. 5, 2022 | Diaspora, Persönlichkeiten

Nach Angaben des Bundes der Freien Waldorfschulen gibt es im Mai 2020 weltweit 1214 Waldorfschulen. Die meisten von ihnen befinden sich in Deutschland (252), gefolgt von den Vereinigten Staaten (123) und den Niederlanden (115). 2014 erhielt die Waldorfpädagogik den Status eines offi- ziellen Bildungsprogramms in der Ukraine, und im August 2015 wurde auf Initiative der ukrainischen Künstlerin und Waldorfpädagogin Julia Marushko ein Waldorfprogramm in der ukrainischen Stadt Luzk ins Leben gerufen. Im Jahr 2020 wurde hier die erste Waldorfklasse eröffnet. Und wir haben mit Yulia darüber gesprochen, wie sie den Traum ihres Lebens verwirklicht hat.

Die Ukraine braucht mehr freie Schulen. Denn freie Schulen sind der Schlüssel zu einer freien Gesellschaft.

Yulia wurde in der Sowjetunion geboren, als Breschnew starb, ging unter Gorbatschow zur Schule und machte ihren Abschluss in der unabhängigen Ukraine. „Ich bin die Tochter eines Truckers und erinnere mich an die Engpässe in den 90er Jahren mit leeren Kühlschränken. Mein Vater fütterte meinen Bruder und mich mit Märchen und erzählte, dass er auf dem Weg einen Hasen traf, dem er das ganze Essen gab. Die Stimme meines Vaters, der mir ukrainische Volksmärchen und Märchen der Völker der Welt vorliest, hallt noch immer in meinem Kopf. – Marushko teilt seine Erinnerungen.

Seit ihrer Kindheit wollte Julia Lehrerin und Journalistin werden. Zuerst arbeitete sie als Radiomoderatorin und Autorin in ihrer Heimatstadt Luzk. Mit ihrem Traum, hier eine Waldorfschule zu gründen, flog Julia 2012 nach Deutschland. Gleichzeitig startete sie eine Kolumne in einer ukrainischen Lokalzeitung und berichtete wöchentlich über alternative Bildung und ihre Rolle für Kinder und das ganze Land. „Ich habe einen Traum— sagte Julia — eine Waldorfsschule in Luzk zu öffnen.“. Und schon bald fragte sie jede Oma in ihrem Dorf: „Wann wird die Schule endlich da sein?“

Doch die Revolution der Würde und der Krieg veränderten Julias Pläne. Als Künstlerin wollte sie immer Kinder malen, stattdessen schaffte sie eine künstlerische Chronologie der modernen ukrainischen Geschichte, die rund 150 Werke umfasst (siehe Gelblau #19). Am 15. März 2015 starb im Krieg Wolodymyr Kotschetkow-Sukatsch, der ideologische Gründer der Waldorfpädagogik in Kyjiw. Sein Tod veranlasste Maruschko zum Handeln. „Ich kontaktierte Olena Killge, eine Waldorflehrerin, die ich vom deutsch-ukrainischen Schulaustausch kannte, und die Journalistin Iryna Kuninets mit der Bitte, ein Seminar in der Ukraine zu organisieren.”

Olena Killge erinnert sich: „Nach Wolodymyrs Tod hatte ich einen tiefen emotionalen Drang, zu kämpfen. Als ich mich fragte, was ich tun könnte, um dieser schrecklichen zerstörerischen Kraft entgegenzuwirken, wurde mir klar, dass ich Schulen gründen sollte!“

Und schon im August 2015 fand in Luzk das erste Waldorfseminar statt.
Dies war die erste anthroposophische Arbeit in der Stadt, die zeigte, dass die derzeit schwierige Zeit für die Ukraine auch der richti- ge Moment ist, von hohen Idealen aus zu handeln, mit Gedanken an die ganze Menschheit, und dass die Zeit für alternative Pädagogik gekommen ist.

Aus diesem starken Impuls entstand die Luzker Waldorfinitiative, die 2016 der Vereinigung ukrainischer Waldorfinitiativen beigetreten ist. „All das — ohne staatliche Unterstützung und nur mit der Förderung meiner Freunde, Waldorflehrer aus Deutschland und der Schweiz, die in den folgenden Jah- ren in jedem Urlaub nach Luzk flogen, um die weiteren Seminare zu führen. Die Eltern waren davon begeistert und wir fanden noch mehr Unterstützung“, — sagt Julia.

Heute ist die Waldorfpädagogik fest in Luzk ver- wurzelt. Hier wurden ein Waldorfkindergarten und ein Familienclub gegründet und 2020 öffnete ihre Türe die erste Waldorfklasse mit einem Gremium von Lehrern mit ukrainischer und internationaler Erfahrung. Der Interessentenkreis erweitert sich weiter und immer mehr Eltern bevorzugen heutzutage dieses Bildungsangebot.

„Mein Traum wurde verwirklicht. Die Zeit vergeht wie ein Video in TikTok. Viele Kinder verbringen ihre Kindheit nicht in malerischen Dörfern ihrer Großeltern, sondern in elektronischen Spielereien. Die Bitteeines Kindes „Erzähl mir ein Märchen“ wurde durch die Anforderung „Gib mir ein Like“ in Instagram ersetzt. Stattdessen hören die Kinder der „zweiten“ ersten Waldorfklasse in Luzk die ukrainischen und deutschen Volksmärchen.

Die Ukraine braucht mehr freie Schulen. Denn freie Schulen sind der Schlüssel zu einer freien Gesellschaft. Was mich betrifft, so habe ich nach neun Jahren in Deutschland meine Stimme wiedergefunden und schreibe, illustriere und erzähle Märchen nun auch auf Deutsch. Und ich male endlich Kinder. Ich glaube, wir alle brauchen Märchen. Besonders in den dunkelsten Zeiten. Das kommende Frühjahr wird sehr schwierig sein. Dies ist der achte Frühling seit Beginn des Krieges, und das Wichtigste ist, den Glauben an Wunder nicht zu verlieren. Schließlich hat niemand eine Kriegskindheit verdient”

UPD:

Am 5. März 2022 kamen die Schüler:innen der Luzker Waldorfschule in Hamburg an. Julia Marushko in Kooperation mit aubiko e.V. (ein gemeinnütziger, eingetragener Verein und der Träger der freien Jugendhilfe) und Christophorus-Waldorfschule trafen 45 neu angekommene Ukrainer:innen und brachten sie bei Gastfamilien unter. Aber die Menschen kommen immer wieder weiter an.

„Nach den Frühlingsferien gingen die Kinder in die Schule. Für mich war es sehr wichtig, keinen einzigen Schultag zu verlieren. Heute befinden wir uns in der fabelhaften Waldorfschule, von der ich geträumt habe“, sagt Julia. Derzeit haben alle Lehrerinnen und Erzieherinnen, die vorübergehend in Hamburg sind, nur einen Wunsch: „Wenn der Himmel über der Ukraine wieder friedlich ist, lernen wir in unserer Heimatstadt Luzk mit voller Kraft weiter.“

Julia Marushko bedankt sich bei der Waldorfschule Christophorus-Schule Bergstedt und der Rudolf-Steiner-Schule Hamburg, die in den Ferien allen Bedürftigen aus der Ukraine Unterkunft und Hilfe gewährt haben.

Über Julia Marushko: Journalistin, Künstlerin, Übersetzerin, Waldorflehrerin, Märchenerzählerin, Gründerin von ArtMaidan e.V. in Hamburg, Initia- torin der Waldorfbewegung in Wolhynien (Luzk, die Ukraine), seit Sommer 2020 — Vereinsmitglied vom Märchenforum Hamburg e.V.

Instagram @art.marushka

Уже відомо про центри Superhumans у Львові та Дніпрі, а також про плани відкриття центру в Одесі. Чи від самого початку ви бачили цей проєкт як мережу центрів, чи потреба в розширенні виникла вже в процесі роботи?

Насправді ідея розвитку кількох центрів була закладена ще на етапі створення концепції Superhumans. Від самого початку ми розуміли, що потреби, які виникли внаслідок війни, є настільки масштабними, що один центр фізично не зможе забезпечити необхідний обсяг допомоги для всіх, хто її потребує. Спочатку ми працювали над концепцією центру воєнної травми, але паралельно аналізували й інші потреби системи охорони здоров’я України. Згодом стало очевидно, що країні необхідна розгалужена мережа спеціалізованих центрів, які зможуть надавати якісну допомогу в різних регіонах. Тому ще на початковому етапі розглядалася ідея створення кількох центрів. Серед потенційних локацій були Львів, Харків та Одеса. Згодом, з огляду на безпекову ситуацію та низку інших чинників, замість Харкова було ухвалено рішення розвивати центр у Дніпрі. Коли концепція остаточно сформувалася, ми вже чітко розуміли, що йдеться не про один заклад, а щонайменше про три великі центри. Водночас сьогодні ми працюємо й над іншими напрямами розвитку. Зокрема, розглядаються окремі спеціалізовані проєкти та нові формати допомоги, які можуть функціонувати самостійно. Ми також бачимо, що існують потреби, які наразі не охоплюються повною мірою переліком наших послуг. Щоденна робота з пацієнтами допомагає краще зрозуміти, яких саме сервісів ще бракує системі охорони здоров’я та людям, які проходять лікування й реабілітацію.

Тому сьогодні можна сказати, що розвиток мережі Superhumans триває. Ми не зупиняємося на вже реалізованих проєктах, а постійно аналізуємо нові виклики та шукаємо можливості для розширення допомоги тим, хто її потребує найбільше.

За кілька років Superhumans виріс із амбітної ідеї у проєкт національного масштабу. Що допомагає вам нести цю відповідальність і рухатися вперед? 

Напевно, це досить просто. Я завжди кажу, що ніколи в житті не робила нічого цікавішого за Superhumans. Тому ти просто йдеш за потребою. Насправді цього центру взагалі не мало б існувати. Якби не було війни, його б ніколи не створили. І це був би найкращий сценарій для всіх нас. Але потреба виникла, і ми почали шукати рішення. Коли з'являється новий виклик, ти не дуже замислюєшся над тим, наскільки він великий. Ти бачиш проблему і думаєш: як її вирішити? Чи є хтось, хто може це зробити? Якщо ні, значить, будемо робити самі. Разом із командою.

Звичайно, зі зростанням проєкту зростають і виклики. Постійно збільшується команда, з'являються нові напрями роботи. Велике завдання — знаходити людей і навчати їх. Адже ми не можемо просто набрати готових фахівців саме того рівня, який нам потрібен. Тому часто беремо найкращих із тих, хто є, і разом розвиваємо їх далі.

У нас завжди більше ідей, ніж ресурсів. Є проєкти, які ми дуже хочемо реалізувати вже сьогодні, але розуміємо, що поки що для них не настав час. Тоді відкладаємо їх на майбутнє і концентруємося на тому, що є найважливішим зараз. Якщо говорити ширше, то наша мета значно більша, ніж просто створення окремих центрів. Ми хочемо допомогти змінити підходи в системі охорони здоров'я України. Перейти від моделі, яка лише реагує на проблему, до моделі, яка допомагає людині комплексно вирішувати її. Система має бути готовою відповідати на великі виклики, особливо в часи криз і катастроф. Тому бути керівником для мене — це не про посаду чи статус. Це про відповідальність бачити потребу і разом із командою шукати спосіб її закрити. А якщо говорити про супергероїв, то вони для мене щодня поруч. Це наші пацієнти. Люди, які після найважчих випробувань знаходять у собі сили починати життя заново. Саме вони надихають найбільше і нагадують, заради чого ми все це робимо.

Зараз усі українці переживають надзвичайно складний період. Постійні обстріли, тривога за близьких, втома від війни — усе це впливає на кожного з нас. Як вам вдається знаходити сили рухатися вперед, підтримувати себе і команду та не втрачати віри в те, що ви робите?

Насправді все досить просто. Я дуже чітко розумію, заради чого прокидаюся щоранку і що саме маю робити. Коли є розуміння мети, то питання «а чи варто продовжувати?» або «а що буде через місяць?» відходять на другий план. Ти просто рухаєшся вперед, тому що знаєш: це потрібно робити. Водночас я прекрасно розумію, що сама ніколи не змогла б реалізувати все те, що сьогодні робить Superhumans. У нас є величезна команда, сильні керівники напрямів, професіонали, які розділяють спільне бачення. Ми всі добре розуміємо, куди рухаємося і якої мети хочемо досягти. Звичайно, ми не можемо вплинути на все. Ми не можемо зупинити обстріли чи змінити обставини війни. Але можемо вирішувати ті завдання, які стоять перед нами. І поки ми живі, поки маємо сили працювати, ми повинні робити те, що від нас залежить. Я бачу, що люди втомилися. Це нормально. Важко жити і працювати в умовах постійного стресу та невизначеності. Але водночас у нас є вибір: зосередитися на безсиллі або на тому, що ми можемо змінити. Ми обираємо друге. Що стосується особистих ресурсів, то тут немає універсального рецепта. У кожного свої способи відновлення. Для мене це спорт, книги, прогулянки, час із близькими. Спорт особливо допомагає впоратися зі стресом, переключитися й відновити внутрішню рівновагу. Для когось це може бути творчість, подорожі, природа чи інші заняття.

Головне — знайти власний спосіб відновлюватися і не забувати про нього навіть у найскладніші періоди. Тому що попереду ще багато роботи, і для неї нам усім потрібні сили.

Фото: https://superhumans.com/, https://www.facebook.com/olga.rudneva/



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